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DIE KOLUMNE: Eieiei… Drucken E-Mail
Mittwoch, den 09. August 2017 um 08:00 Uhr

©SymbolfotoSCHWALMSTADT. Wir wollen Fleisch, viel Fleisch. Und es darf nichts kosten. Wir wollen Geflügel, viel Geflügel, aber es muss billig sein. Wir wollen unser Frühstücksei. Wir wollen oft Frühstückseier! Und Rühreier! Und Eier in Nudeln. Selbst in vegetarischen Fleischersatzprodukten sind Eier verarbeitet. Im Speiseeis auch… Pro Kopf verbrauchen wir in Deutschland satte 236 Eier im Jahr.

Ein deutsches Huhn legt rund 300 Eier im Jahr. 82,7 Millionen Deutsche brauchen also 65 Millionen Legehennen. Außerdem verzehren wir übrigens noch 1,6 Milliarden Hühner pro Jahr, jeder von uns etwa 20 (12 Kilo Hühnerfleisch). Das klappt bisher ganz gut. Aber jetzt geistert ein toxikologisches Gespenst durch die Legebatterien und Geflügelzuchtbetriebe: Es heißt Fipronil.

In den letzten Wochen ist das Insektengift Fipronil in Hühnereiern aufgetaucht. Dabei hat es mit Eiern gar nichts zu tun. Fipronil wird als Schädlingsbekämpfungsmittel verwendet. Wir kennen es gut als Wirkstoff in Ködergranulaten und Gießmitteln gegen Ameisen. Es wirkt nachhaltig. Die kleinen Krabbler tragen das Gift in ihre Bauten, füttern damit ihre Brut und so stirbt das ganze Volk.

Fipronil ist auch der Wirkstoff in Frontline. Wir verteilen es als „Spot on“ gerne im Fell unserer Vierbeiner, ob Hund oder Katze, um sie von Milben, Zecken, Flöhen und anderem Ungeziefer zu befreien. Etwa 67 Milligramm des Wirkstoffs sind in einer kleinen Pipette Frontline für den kleinen Hund, 268 Milligramm in einer großen für den großen Hund. 20 Milligramm kommen wohldosiert auf 5 Liter Ameisengift. Das ist alles frei verkäuflich und frei dosierbar.

Für Menschen gilt als Grenzwert (nicht als gesundheitsschädlich) 0,009 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Mensch mit 75 Kilo Gewicht sollte also nicht mehr als 0,67 Milligramm Fipronil aufnehmen. Zum Vergleich noch mal: die kleinste Dosis Frontline, die wir unserem Fiffi ins Fell sprühen enthält genau 100 Mal so viel, die große 500 Mal so viel. Aber selbst dann wird es nicht gleich gefährlich, sonst müssten die meisten Hunde- und Katzenhalter oder Gartenbesitzer schon längst tot umgefallen sein. Wenn wir unseren Hund nach dem Frontline-Einsatz streicheln oder das Ameisengift in der Gießkanne angerührt haben, mit der wir anschließend wieder die Tomaten gießen, haben wir diesen Wert ziemlich sicher um ein Vielfaches überschritten.

So viel zum bisherigen, entspannten Umgang mit dem Gift, das jetzt für DDR-ähnliche Zustände in den Eierregalen sorgt. Aber das war vermutlich erst der Anfang.

Wer Tierärzte fragt, erfährt folgendes: Wo Hühner gehalten werden, gibt es immer auch die rote Vogelmilbe. Die macht dem Federvieh so heftig zu schaffen, dass viele den Befall nicht überleben. Gegen die rote Vogelmilbe hilft eigentlich nur Fipronil. Bei einem Kieselgur-Einsatz muss der Stall leer sein. Wir werden also noch von mehr Ställen – wohl auch für Masthühner - erfahren, in denen stattdessen Fipronil eingesetzt wurde, wetten, dass?

Also: Grenzwerte raufsetzen oder hilft am Ende doch nur eine gänzlich andere der Haltung von Legehennen und Masthühnern? Das wird die Quadratur des Kreises und die Potenzierung der Eierpreise. Es wird vermutlich nicht mehr lange dauern und dann gibt es erst einmal keine Eier mehr. Dann holen wir für unsere Nudeln und andere Produkte wieder Trockenei aus China? Aber was machen wir jetzt mit unseren Hunden, Katzen und den Ameisen?

Und das ist nur ein Beispiel. Wir reden auch über Glyphosat in Lebensmitteln oder Nitrat im Grundwasser. Die Art und Weise, wie wir Lebensmittel produzieren, stößt stets an mehr Grenzen…

Ihr

Rainer Sander

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