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Flüchtlingsprojekt für Demografie-Preis nominiert Drucken E-Mail
Dienstag, den 18. Juli 2017 um 06:42 Uhr

Staatsminister Axel Wintermeyer zu Gast in Niedenstein ©Foto: Rainer Sander | nh24 Staatsminister Axel Wintermeyer besucht Projekt „Männer für Männer“
Wiesbaden | Niedenstein
. 58 Bewerber gab es für den Hessischen Demografie-Preis, sechs Projekte wurden durch eine unabhängige Jury nominiert und alle sechs werden vom Chef der Hessischen Staatskanzlei, gleichzeitig Demografie-Beauftragten der Hessischen Landesregierung, Staatsminister Axel Wintermeyer, auf seiner Sommerreise besucht.

Am Montagnachmittag war er beim Flüchtlingshilfsprojekt „Männer für Männer“ in Niedenstein zu Gast. Der Preis wird am 25. August in Wiesbaden verliehen.

Empfangen wurde der Besuch aus Wiesbaden, begleitet von Regierungspräsident Walter Lübcke, durch Pfarrer Gerhard Leidorf (Vertretung für Pfarrer Johannes Böttner), Stadtrat Axel Eubel (Vertretung für Bürgermeister Frank Grunewald), Dietrich Nolte (Landeskirchenamt) sowie vielen Niedensteinern und Flüchtlingen aus dem Projekt.

Die entjüngte Gesellschaft

Pfarrer Gerhard Leidorf begrüßte die Gäste ©Foto: Rainer Sander | nh24Die Gesellschaft „entjüngt“ sich und in Niedenstein müsse man kaum die Auswirkungen erklären, stellte der Minister fest. Da das Land Hessen in den zurückliegenden Monaten 100.000 Flüchtlinge aufgenommen hat, ist es nur konsequent, auch Projekte, die sich um Integration bemühen, in die Preisvergabe einzubeziehen. 500 Euro sind übrigens bereits mit der Nominierung verbunden.

Dietrich Nolte stellte das außergewöhnliche Projekt vor. 80 Prozent der jetzt gekommenen Flüchtlinge seien Männer und sie treffen auf 80 Prozent Frauen unter den Helfern. Daran wird deutlich, dass hier die Unterschiede der Kulturen – auch im Hinblick auf das Geschlechterverständnis – aufeinandertreffen. Männer kontrollieren gerne, so Nolte, aber das geht mit Menschen nur bedingt. Männer müssen stark sein. Kommt daher die Zurückhaltung unter den Herren der Schöpfung beim Helfen?

Die Flüchtlinge beim Gartenprojekt ©Foto: Rainer Sander | nh24 Ahle Wurscht für den Minister ©Foto: Rainer Sander | nh24
Fotoshooting mit Minister in Niedenstein ©Foto: Rainer Sander | nh24 Die Merkel-Raute bei Axel Wintermeyer ©Foto: Rainer Sander | nh24

Machtlosigkeit erfahren

Axel Wintermeyer lässt sich von Dawoud Al Obaidi mit Unterstützung durch Karam Abdalla die Bilder erklären ©Foto: Rainer Sander | nh24Flüchtlingsmänner haben bereits ihre Machtlosigkeit erlebt. Sie konnten ihre Familien im Krieg weder versorgen noch schützen. Was bleibt dann vom „Starken Mann“? Die meisten von ihnen wollten auch lieber in größere Städte. Dort wären sie anonym geblieben und nicht weiter im Fokus gewesen. Nicht so in Niedenstein! Hier werden sie von allen gegrüßt und mit dem Projekt Männer für Männer auch in ihrer Männlichkeit ernst genommen aber zugleich mit dem deutschen Rollenverständnis konfrontiert.

Auch das Rollenverständnis hat übrigens zur Projektidee beigetragen. Zum Auftakt traf man sich in einem persisch geführten Lokal in Niedenstein und von Anfang an herrschte eine gute und herzliche Stimmung, bei der Zugehörigkeitsgefühl aufkam. Aktuell werden zwölf Flüchtlinge von je einem männlichen Mentor begleitet und haben so die Chance, bei gemeinsamen Erlebnissen in Verein und Familie, bei Festen und Ausflügen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu entdecken und zu reflektieren. Die Mentoren werden von erfahrenen Fachkräften begleitet und haben regelmäßig Gelegenheit, die aufkommenden Fragen zu besprechen.

„Männer für Männer“ fördert die Integration

Dietrich Nolte erklärte das Projekt ©Foto: Rainer Sander | nh24„Für die Flüchtlinge, die hierhergekommen sind, ist vieles neu und manches fremd – zum Beispiel die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau sowie unser Rollenverständnis. Sie müssen lernen, was unsere Gesellschaft ausmacht. Das Projekt ‚Männer für Männer‘ fördert die Integration und bietet den Teilnehmern eine großartige Gelegenheit, unsere Lebensart und die Antworten unserer Gesellschaft zur Gleichberechtigung aus erster Hand kennenzulernen“, so Staatsminister Axel Wintermeyer bei seinem Besuch in Niedenstein.

Nach der Begrüßung wurden zwei Orte besucht, in denen Integration sichtbar wird. Zurzeit wird die Evangelische Kirche in Niedenstein renoviert und für eine Zeit müssen Ersatzbilder in die Fensterausschnitte. Kein Problem. Der irakische Künstler Dawoud Al Obaidi hat allein zwei Fenster gemalt. Axel Wintermeyer – selbst Organist – war angetan und ließ sich mit Hilfe von Karam Abdalla (Ägypten) als Übersetzer die Kunstwerke erklären.

Moslem malt christliche Symbole

©Foto: Rainer Sander | nh24In seiner Heimatstadt Mossul im Nordirak hat Al Obaidi bereits an Kirchen und Moscheen gearbeitet. Leider sind die Kirchen durch den IS zerstört worden, wie er traurig berichtet. Malerei ist eigentlich nur ein Hobby von ihm. Hauptberuflich war er Verwaltungsfachangestellter. Als gläubiger Muslim respektiert er die religiösen Symbole der christlichen Kirche. „Auch Flüchtlinge wollen gebraucht werden“, resümierte Wintermeyer.

Anschließend besuchte die Gruppe ein Gartenprojekt, in dem sechs neu angelegte Parzellen mit jeweils 25 Quadratmetern von Flüchtlingen selbst bewirtschaftet werden. Ute Kollmann und Dr. Götz Schmidt erzählten, wie schwierig es für die selbst war, aber auch für die Männer aus Aleppo oder Mossul, die in der Großstadt aufgewachsen sind.

„Die Folgen des demografischen Wandels sind eine Herausforderung für unsere Gesellschaft. Wir spüren die Auswirkungen in nahezu allen Bereichen unseres Lebens. Gelungene Initiativen mit engagierten Menschen, wie das Projekt ‚Männer für Männer‘, tragen zur Lebensqualität auf dem Land bei. Deshalb würdigen wir diese mit dem Hessischen Demografie-Preis. Die ausgezeichneten Projekte sollen als Vorbilder für andere dienen“, resümierte Axel Wintermeyer.

Hintergrund

Wintermeyer als Erntehelfer ©Foto: Rainer Sander | nh24Mit dem Demografie-Preis zeichnet die Landesregierung seit 2010 jährlich Projekte und Initiativen aus, die dem demografischen Wandel mit innovativen und kreativen Ideen entgegenwirken. Unter dem Motto „Wo Ideen Freiraum haben! Leben auf dem Land“ steht die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes im Mittelpunkt des mit insgesamt 20.000 Euro dotierten Preises. Aus 85 Bewerbungen hat eine unabhängige Fachjury sechs Projekte aus den Bereichen „Jugend“, „Fachkräfte und Familienfreundlichkeit“, „Innenentwicklung und Infrastruktur“, „Grundversorgung und Mobilität“, „Flüchtlinge finden Heimat auf dem Land“, „Kultur und Zusammenhalt“ und „Seniorinnen und Senioren“ ausgewählt.

Weitere Informationen zum Hessischen Demografie-Preis und den sechs nominierten Projekten unter www.staatskanzlei.hessen.de/initiativen/demografie. (rs)

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