Kolumne
DIE KOLUMNE: Nörgelei Drucken E-Mail
Donnerstag, den 27. April 2017 um 10:22 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Kann man Besserung herbeinörgeln? Politisch und wirtschaftlich gesehen, scheinen eine Menge Menschen davon felsenfest überzeugt zu sein. Wer in seiner Urlaubsresidenz Staubkörner auf dem Schrank findet oder vom Portier nicht angelächelt wurde, hat beste Chancen, einen Preisnachlass herbei zu nörgeln. Wem das Essen im Restaurant zu sauer, zu salzig, zu warm, zu kalt, zu viel, zu wenig, zu lasch erscheint, kann sicher ein kostenloses Dessert oder einen Gutschein für den nächsten Besuch „erjammern“.

Wem Dienstanweisungen nicht gefallen, der jammert über seinen Chef. Wer sich abgehängt fühlt, weil er nicht dreimal im Jahr in den Urlaub fahren kann, nörgelt über die Politik, und was wir alle gerne „betrauern“: das Wetter ist entweder zu kalt, zu warm, zu trocken oder zu nass! Irgendwas trifft immer zu, worüber wir jammern und nörgeln können. Die Autobahnen sind zu voll, Geschwindigkeitsbeschränkungen nerven, wenn gewitzt wird nervt das aber auch...

Mit nörgeln kann man sogar Wahlen gewinnen, zumindest gut abschneiden. Zu viele Ausländer, zu wenig Arbeitsplätze, zu niedrige Löhne, zu wenig soziale Leistungen, wenig Steuern für die einen, zu viel Steuer für die anderen, schlechte Straßen, die Welt ist schlecht und wir nörgeln geschwind eine neue Regierung herbei. Wir wählen die, die uns die kühnsten Versprechungen machen, um anschließend am lautesten Klagen zu können, wenn das eintritt, was wir alle hätten vermuten können: die schönsten Versprechen werden zuerst gebrochen! Aber wir wollen es so hören und wir wollen jammern!

Nun haben Wissenschaftler allerdings etwas Verheerendes herausgefunden. Jammern manifestiert sich. Die neuronale Struktur des Gehirns ändert sich. Jede Reaktion mit einem negativen Gefühl, trainiert die Wahrnehmung dafür, zukünftig Situationen noch intensiver als stress- oder angstbelastet zu betrachten. Wer ewig nörgelt wird also tatsächlich weniger Glück empfinden. Wer jammert verliert sein positives Gedächtnis ein, wird schneller krank und neigt zu Depressionen.

Man kann also tatsächlich Veränderungen herbeinörgeln, allerdings nur solche, die dann wirklich zum Jammern sind! Jetzt freue ich mich, dass die vielen Nörgler in den Kommentaren unter dieser Kolumne zielstrebig an ihrer emotionalen Selbstzerstörung arbeiten. Auf geht’s!

Ihr

Rainer Sander

 
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