Kolumne
DIE KOLUMNE: Guten Morgen Deutschland Drucken E-Mail
Sonntag, den 24. September 2017 um 07:00 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Ausgeschlafen? Es ist der 24. September 2017 und Deutschland hat die Wahl. Zum Beispiel zwischen runder und stracker Ahler Worscht, beim Wecke- un Worschtmarkt in Borken. Für Vegetarier bleibt die Wecke als einzige Alternative für ein deutsches Frühstück. Oder sehen wir uns an der Wahlurne?

In der Mitte wird es heute eng. Aus der einst bekennenden Partei der „Besserverdienenden“, mit kantigen, aber souveränen Politikern von Heuss über Scheel, Genscher, Baum, Lambsdorff, Kinkel, natürlich auch Möllemann und bis Westerwelle, kennen die meisten Bundesbürger nur noch Christian Lindner. Und der muss immer noch erklären, dass er nicht der Patrick ist.

Der früher klar positionierten Umweltpartei von Kelly, Bastian, Fischer und Ströbele, sind weniger die Namen, dafür aber die Themen abhandengekommen. „Atomkraft Nein Danke“ klebt jetzt auf vielen Autos. Bei der Steilvorlage Dieselaffäre ist ihr aufgefallen, dass sie in drei Ländern mit Hauptsitzen von Automobilkonzernen (mit)regiert. Mit 870.000 Arbeitsplätzen geht man vorsichtig um. Sie ist übrigens - gemessen am Durschnitteinkommen ihrer Wähler - die wahre Partei der Besserverdienenden.

Die gemeinsamen Erben der „Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit“ (WASG) und SED bekommen im Westen immer noch keinen zweiten Fuß auf den Boden. Die klassischen Arbeiter, die nur zwischen Rot und Dunkelrot unterschieden haben, gibt es nicht mehr. Den Slogan „Soziale Gerechtigkeit“ haben sie gerade an die Erben Willi Brands verloren, die mit der Agenda 2010 zwar Zukunftsweisendes gemacht haben, sich dafür aber bis in alle Ewigkeit in Grund und Boden schämen.

Die Konservativen, die den Sozialstaat nach dem Krieg mit allem, was wir heute verteidigen maßgeblich geschaffen haben und das ungern erzählen, weil sie glauben „Sozial“ sei ein Schimpfwort, glauben bis heute auch daran, dass es Deutschland schlechter ginge, wenn Top-Manager statt 5 Millionen nur eine Million verdienen würden. Gierig sind heute viele, aber zu den Werten des Abendlandes gehört neben Ordnung auch Maßhalten.

Wenn sie regieren, sind plötzlich alle Realisten. Weil es in einer komplizierten Welt kaum Alternativen zu vernünftigem Handeln gibt. Eine Alternative gibt es doch, die hat aber gleich erklärt, dass sie nur regiert, wenn sie das auch alleine darf. Weil das nicht wirklich realistisch erscheint, hat sie ihr Parteiprogramm gar nicht erst zu Ende geschrieben. Ein Rentenkonzept gibt es gar nicht und die Formulierung, Harz IV privatisieren zu wollen, wurde nur zurückgenommen, weil damit einen Teil ihrer Wähler verlorengegangen wäre. Zwei frühere Alternativen für Deutschland haben übrigens jeweils alle Langzeitarbeitslosen, die sie nicht wegbekamen und die immer noch unangenehm auffielen, in Arbeitslagern und staatlichen Psychiatrien entsorgt. Bei Alternativen gibt’s das nicht!

Sie sind die Alternative der Unzufriedenen. Und es lohnt sich, Sprachrohr der Unzufriedenen zu sein: Für möglichst viele Stimmen gibt es jede Menge Staatsknete und jede Menge gut bezahlter Abgeordnetensitze. Die gescholtenen Diäten sind sicher! Und damit man bloß nicht in die Verlegenheit kommt, seine Wahlversprechen im großen Stil brechen zu müssen, werden so viele „Klopper“ rausgehauen, damit man für die Mehrheit auf jeden Fall unwählbar bleibt? Ein solches Karriere- und Marketingkonzept wäre wirklich genial und tatsächlich alternativlos für Deutschland!

Also, wo treffen wir uns nun – bei Wecke un Worscht und im Wahllokal?

Ihr

Rainer Sander

 
<< Start < Zurück 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Weiter > Ende >>

Seite 7 von 246
Valid XHTML & CSS | Template Design ah-68 | Copyright © 2009 by NH24