Kolumne

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DIE KOLUMNE: Nordhessen Drucken E-Mail
Sonntag, den 15. Januar 2012 um 08:42 Uhr
Rainer SanderSchwalmstadt. Der Regierungsbezirk Kassel hat seit Jahren die die höchsten Rückgänge in der Arbeitslosenstatistik und seit geraumer Zeit weniger Arbeitslose als Mittel- und Südhessen. Wann hat es das schon einmal gegeben? Vermutlich gab es da noch einen Landgrafen in Kurhessen und einen Fürsten in Waldeck. Vielleicht in den Jahren, als Nordhessische Soldaten in Amerika gegen George Washington kämpften? Wir werden es nicht erfahren, denn in dieser Zeit gab es noch keine Statistiken. 

Nun liegt das nicht – wie seit Jahren prognostiziert – an der Flucht junger Menschen aus Nordhessen heraus. Das ausbluten der Region findet eigentlich gar nicht statt. Baunatal und Lohfelden wachsen, vor allem aber Kassels Einwohnerzahl steigt gegen jeden Trend deutlich. Und auch der Schwalm-Eder Kreis schrumpft langsamer als erwartet. Eigentlich folgt nur Werra-Meißner den Prognosen der „Schrumpfregion“. Der Rest von Nordhessen blüht ein wenig, aber niemand merkt es oder nimmt davon Notiz.

Die Museumslandschaft zählt zu den bedeutendsten Kulturregionen der Republik, die größten Logistikzentren Europas (OTC und Amazon) sind in Baunatal oder Bad Hersfeld, Gewerbegebiete wie in Malsfeld, am Lohfeldener Rüssel oder das Güterverkehrszentrum in Kassel wachsen in kürzester Zeit über ihre Kapazität hinaus, die Grimm Heimat legt im Tourismus zu, Kassels Universität zählt zu den Innovativsten der Republik. Also Nordhessen boomt und wir alle merken davon nichts? Die Wirtschaftswoche ermittelt Kassel als die zukunftsfähigste Stadt der Bundesrepublik, was alle im Lande überrascht, am meisten diejenigen, die dort wohnen.

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges sind wir es gewohnt darüber zu jammern und zu klagen, dass uns die Südhessen nicht ernst nehmen, Hessisch-Sibirien am Rande jeglicher Zivilisation liegt, wir weder Bildung noch Kultur und schon gar keine Wirtschaftskraft besitzen. Das alles haben wir dermaßen verinnerlicht, dass es uns schwer fällt zu realisieren, wenn sich genau das alles auf einmal ändert.

Wir streiten über einen Flughafen und eine Autobahn, als würde beides überallhin passen, nur nicht in die verarmte Region Nordhessen. Gefühlt rangieren wir weit hinter den polnischen Industrieregionen, Sizilien oder Cork in Irland. Immerhin kann man all diese Regionen mit einem Flugzeug erreichen, was Nordhessen nicht unbedingt verdient hat? Es gibt keinen Ort in Europa, von dem aus der ganze Kontinent so gut erreichbar ist, wie von Nordhessen aus. Es mag sein, dass alle Wege nach Rom führen, aber die meisten davon führen auch über Nordhessen.
Es ist Zeit für ein wenig mehr Selbstbewusstsein, Zuversicht und Mut. Das wäre ein guter Vorsatz für das neue Jahr!

Ihr Rainer Sander
 
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