DIE KOLUMNE: Lehrjahre Drucken E-Mail
Mittwoch, den 19. Juli 2017 um 17:29 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Wer ist Meister? Der was ersann. Wer ist Geselle? Der was kann. Wer ist Lehrling? Jedermann! Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr! Gerne verwenden wir diese Sprüche, wenn wir etwas zu sagen haben aber genauso ungerne hören wir sie selbst, vor allem dann, wenn wir uns gerade darüber Gedanken machen, etwas Neues zu beginnen. Da können sie richtig Angst machen. Und vor dieser Entscheidung stehen zum Ende eines jeden Schuljahres eine Menge Schülerinnen und Schüler. In wenigen Wochen beginnt die Ausbildung und damit enden dann die „Herrenjahre“.

Lehre nach neun oder zehn Jahren oder doch weiter zu Schule gehen? Ausbildung oder Studium nach dem Abi? Der eine oder andere Spruch kann inmitten der Schonräume von behüteter und betreuter Schule auf der einen Seite und umsorgtem oder verständnisvollem Elternhaus auf der anderen Seite schon für Druck sorgen. In einer Zeit, in der ein großer Teil der Eltern im Nachwuchs lauter hochbegabte entdeckt, wird der Druck auf der anderen Seite aber nicht geringer! Da hilft vielleicht ein anderer Spruch: „In der Welt lernt der Mensch nur aus Not oder Überzeugung!“

Jedenfalls haben aktuell 31 Prozent der Ausbildungsbetriebe keine Lehrlinge gefunden und sogar 10 Prozent haben nicht einmal eine einzige Bewerbung bekommen. Auf der anderen Seite brechen 28 Prozent der Bachelor-Studenten ihr Studium vorzeitig ab. Ausbildung ist so unmodern wie noch nie und Studium so sinnfremd oder belastend wie noch nie? Die Schere wird noch weiter auseinandergehen und inzwischen warten viele Betriebe auf die ersten Studienabbrecher…

Egal ob Studium oder Lehre, eines gilt in der schnelllebigsten aller Zeiten: „Schlecht steht es um den Schüler, der seinen Meister nicht überflügelt“. Wir könnten also auch aus der Geschichte lernen und begreifen, dass vorher Nachdenken manches Aufstehen nach dem Hinfallen – auch ein schöner Spruch – verhindert. Aber wie sagte Mahatma Gandhi: „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt.“

Dass unsere Zeit keine leichte ist, erfahren wir jeden Tag und deshalb gibt es auch keine einfachen Lösungen. Ein bisschen Nachdenken über Werte, eigene Interessen und Fähigkeiten, ganz unabhängig von der Welt um uns herum, schadet aber ganz selten und wirft die Welt auch nicht aus der Bahn.

Ihr

Rainer Sander

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