DIE KOLUMNE: Fake News? Drucken E-Mail
Freitag, den 23. Juni 2017 um 10:03 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Wenn irgendwo auf dieser Welt etwas passiert, sind wenige Minuten später die ersten Meldungen online oder auf Sendung. Wer zuerst kommt, hat die Leser. Ein paar Minuten später bedeutet: viele Tausend Klicks weniger. Die Nachrichtensendungen in den Fernsehsendern funktionieren ausschließlich über Einschaltquoten. „Zweitnews“ will niemand sehen. Aber Werbung wird nach Zuschauern bezahlt. Ohne Moos nix los, das gilt auch für das „News-Business“. Nur wenn es Tote gibt, gehen CNN, Phönix, N24 und andere Nachrichtensender online. Da kommen sogar Handy-Videos zum Einsatz, sch… auf die Bildqualität, jede Sekunde zählt, die Nase vorn haben ist die oberste Maxime.

In einer Zeit, in der jede Nachricht in Windeseile oder mit Lichtgeschwindigkeit um den Erdball fegt, es keine Geheimnisse mehr gibt, die Abonnentenzahlen schwinden und die Werbeeinnahmen milliardenweise in die sozialen Medien wandern, ist der Konkurrenzkampf in den Redaktionen weltweit so groß, wie noch nie.

Und trotzdem glauben manche Menschen, dass in tausenden von Redaktionsräumen auf der Welt erst einmal auf einen Anruf und eine Freigabe gewartet wird. Irgendjemand schaltet die Presse und die Medien gleich, analysiert die Qualität und den Trend aller Ereignisse weltweit, sorgt für die gleiche Tendenz, holt sich die Zustimmung der wichtigsten Regierungschefs und vermittelt genau das alles den Tausenden von Zeitungsredaktionen, die dann alle das gleiche -und natürlich falsch - berichten. Und so perfekt abgestimmt, dass es auf keinen Fall wortwörtlich klingt.

Das ist toll! Ich warte schon seit Jahren auf den ersten Anruf, aber das Telefon schweigt. Nh24 ist meistens bei den ersten, die berichten und die anders berichten. Kommt endlich mal jemand und schaltet uns gleich?

In Zeiten, in denen es selbst im Weißen Haus und dem Bundeskanzleramt keine Geheimnisse mehr gibt und jedes Handy abgehört werden kann, merkt niemand, dass es pausenlos Absprachen zwischen den Medien gibt, um gemeinsam falsch und immer das gleiche zu berichten? Aber das Beste: der, der alle gleichschaltet, zahlt weder Reichtümer dafür, noch hat er ein Druckmittel. Und trotzdem folgen ihm alle, mitten in einer Zeit, in der der Kapitalismus in seiner reinsten Form zurückgekehrt ist und jeder Verlags- und Medienboss die meisten Millionen einsacken will? Wow!

Tausende von Wissenden in den Redaktionsstuben, Sekretariaten, Buchhaltungen und keiner quatscht, keiner verrät den Anderen aus Neid, niemand will jemanden ans Messer liefern, ausstechen, der erste und der beste sein, alle haben sich lieb und gönnen den anderen das gleiche Thema! Alle Achtung!

Dabei wollen die Leser vor allem eins: Sensationen, Unfälle und Katastrophen. Ein Artikel über den Wasserschaden in der Baunataler Stadthalle hatte gemessen ein vielfaches an Lesern als ein Artikel über Kulturveranstaltungen an gleicher Stelle. Unfälle werden gelesen, über Baustellen wird nur gemotzt. Also, wenn etwas nicht ein bisschen sensationell ist, findet das Nachrichtenprodukt keine Abnehmer. Die wahren Nachrichten interessieren also gar nicht?

Ihr

Rainer Sander

Share
 
Valid XHTML & CSS | Template Design ah-68 | Copyright © 2009 by NH24