DIE KOLUMNE: Nordhessen Drucken E-Mail
Donnerstag, den 04. Mai 2017 um 07:11 Uhr

Rainer SanderSCHWALMSTADT. Hessen war früher Nordhessen. Gudensberg, Marburg, Kassel und sogar Ziegenhain waren die Residenzstädte. Die Chatten waren das mutmaßliche „Urvolk“ der Hessen. Die Deutsche Sprache ist in Nordhessen maßgeblich in geregelte Bahnen gelenkt worden. Die Brüder Grimm haben in Kassel nicht nur Märchen erzählt, sondern auch die Sprache erforscht, ein Wörterbuch verfasst und Konrad Duden hat in Bad Hersfeld das erste Rechtschreibwerk der Deutschen Sprache erstellt – den Duden. Die Reformation von Martin Luther hätte ohne Landgraf Philipp von (Nord-) Hessen wohl kaum eine Chance gehabt. Er hat den Protestantismus zugelassen und in (Schwalmstadt-) Ziegenhain ist darauf die Konfirmation entstanden.

Der erste Computer der Welt geht auf das Konto von Konrad Zuse in Bad Hersfeld und auch in der Zukunftstechnik Solar ist Nordhessen mit SMA aktuell ganz vorne dabei und der E-Antrieb von VW kommt aus Baunatal.

Am vergangenen Wochenende hat mir Harry Wijnvoord in Neukirchen (Knüll) von seiner Liebe zur Ahlen Wurscht (oder Worscht?) erzählt. Ein Holländischer Reisefachmann (Sonnenklar TV) als Botschafter regionaler Identität? Die Vegetarier kennen den Unterschied zwischen Nordhessischer und Frankfurter Grüner Soße bestens. Nur das berühmte „Kasseler“ stammt wohl von einem Metzger aus Berlin.

Mitten in Europa und Mitten in Deutschland liegt Nordhessen am Schnittpunkt der Nord-Süd und Ost-West Routen fast unumgehbar. Nordhessen hat drei Mal Welterbe (Dokumentenerbe Grimm, Kulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe und Naturerbe Kellerwald), soviel wie kaum eine andere Region und die documenta ist die weltweit wichtigste und größte moderne Kunstausstellung. Daran ändert auch Athen nichts!

Was wir nicht schaffen, ist einen Fußballverein über die Hessenliga hinaus zu halten und einen Flughafen nicht jede Woche wieder so klein zu reden, dass Airlines und Fluggäste sich gar nicht trauen, ihm zu vertrauen. Und wenn Deutschland keinen Transrapid will, wollen wir ihn erst recht nicht. Dabei könnte seine hier entwickelte Technik – elektrisch betrieben – viele Jahre nach seinem Tod nun doch noch eine Zukunftstechnologie werden. Aber nicht in Deutschland. Wenn Deutschland jammert, können wir immer noch etwas lauter jammern. Doch wir könnten eigentlich auch anders. Auch wenn wir nicht alles wollen, schrumpft die Arbeitslosenquote kaum irgendwo radikaler als in Nordhessen.

Unsere Jugend verlässt trotzdem gerne die Region, weil die Welt mehr zu bieten hat als Nordhessen. Also, was war das gleich noch mal?

Ihr

Rainer Sander

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